Das Ereignis ist vorbei. Aber dein System reagiert, als müsste es noch immer überleben.
Genau das kann Trauma so schwer begreifbar machen. Heute ist heute. Und trotzdem kann sich ein Moment plötzlich wieder wie damals anfühlen.
Ein Geräusch. Ein Geruch. Eine Berührung. Ein bestimmter Blick. Ein Ort. Ein Satz. Ein Körpergefühl. Oder etwas, das du bewusst zunächst gar nicht einordnen kannst. Und plötzlich verändert sich der ganze innere Zustand.
Traumafolgen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Ob Hypnose in deiner Situation sinnvoll ist, wird individuell eingeschätzt.
Du kannst wissen, dass es vorbei ist. Und dein Körper reagiert trotzdem, als wäre es noch nicht vorbei.
Genau dieser Widerspruch ist für viele Menschen nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen schwer auszuhalten.
Rational weißt du vielleicht: „Ich bin heute hier.“ „Diese Person ist nicht mehr da.“ „Die Situation ist vorbei.“ „Ich bin heute erwachsen.“
Wird jedoch ein entsprechender Zustand aktiviert, kann sich dieses heutige Wissen plötzlich sehr weit weg anfühlen.
Dann reagiert nicht nur ein Gedanke. Sondern möglicherweise dein ganzer innerer Zustand.
Welche Gefahr wurde erwartet? Welche Schutzreaktion entstand? Welche Möglichkeiten hattest du damals – und welche hast du heute?
Nicht jeder Mensch reagiert nach einer belastenden Erfahrung gleich.
Manche Reaktionen sind laut. Andere fast unsichtbar. Manche Menschen erleben starke Erinnerungen und Alarm. Andere eher Rückzug, emotionale Distanz oder das Gefühl, ständig wachsam sein zu müssen.
Wiedererleben
Erinnerungen, Bilder, Träume oder Zustände können plötzlich sehr präsent werden.
Alarmbereitschaft
Starkes Erschrecken, innere Unruhe, Wachsamkeit oder Schwierigkeiten, wirklich herunterzufahren.
Vermeidung
Situationen, Orte, Gespräche oder Erinnerungen werden möglichst gemieden.
Erstarren
Nicht jeder Schutz ist Kampf oder Flucht. Manche Menschen erleben Blockade, Erstarrung oder Handlungsunfähigkeit.
Distanz & Rückzug
Gefühle, Nähe oder das eigene Erleben können zeitweise weit weg wirken.
Harte innere Überzeugungen
„Ich bin nicht sicher.“ „Ich darf niemandem vertrauen.“ „Ich muss immer aufpassen.“
Ein Trigger ist nicht die Vergangenheit. Aber er kann einen vergangenen Zustand aktivieren.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Das Geräusch von heute ist nicht automatisch das Ereignis von damals. Der Mensch vor dir ist nicht automatisch die Person von damals.
Und trotzdem kann eine Ähnlichkeit, ein Sinneseindruck oder eine innere Wahrnehmung reichen, damit ein gelerntes Schutzmuster aktiviert wird.
Dann kann sich Vergangenheit plötzlich wie Gegenwart anfühlen.
Dein heutiges Leben kennt die Gegenwart. Ein aktivierter alter Zustand nicht automatisch.
Ich arbeite mit der Annahme, dass Erfahrungen emotionale Zustände, Bedeutungen, Erwartungen, Körperreaktionen und Schutzstrategien prägen können. Wird ein solches Muster später aktiviert, reagiert es nicht automatisch mit deinem heutigen Wissen.
Dein System reagiert mit den Möglichkeiten, die damals verfügbar waren.
Vielleicht konntest du nicht weg. Nicht kämpfen. Nicht widersprechen. Nicht verstehen, was gerade geschieht.
Vielleicht warst du jung, abhängig, überfordert, hilflos oder tatsächlich in Gefahr.
Dein System versucht in solchen Situationen nicht, eine perfekte Theorie über das Leben zu entwickeln. Es versucht, irgendwie durchzukommen.
Du bist heute vielleicht längst nicht mehr in derselben Situation.
Du bist älter. Du hast mehr Wissen. Andere Möglichkeiten. Andere Beziehungen. Vielleicht einen sicheren Ort. Eine Stimme. Eine Wahl.
Wird aber der alte Zustand aktiviert, kann er reagieren, als stünden diese Möglichkeiten noch immer nicht zur Verfügung.
Dein heutiger Verstand sagt: „Es ist vorbei.“ Und etwas in dir verhält sich, als müsse es weiterhin überleben.
Bei Trauma muss man nicht möglichst schnell „an die schlimmste Erinnerung“.
Das halte ich sogar für einen entscheidenden Punkt.
Therapeutische Tiefe bedeutet nicht automatisch, einen Menschen möglichst intensiv in belastende Erfahrungen zurückzuführen.
Bevor wir tiefer arbeiten, interessiert mich: Wie stabil bist du aktuell? Kannst du dich orientieren? Kannst du aus einem belastenden Zustand wieder herauskommen? Welche Ressourcen sind verfügbar?
Manchmal ist genau das zunächst die wichtigste Arbeit.
Was in der Arbeit wichtig sein kann
Wir müssen die Vergangenheit nicht ändern. Aber ein alter Zustand muss nicht für immer glauben, sie sei noch Gegenwart.
Hypnose kann einen fokussierten Zugang zu innerem Erleben, Körperwahrnehmungen, Gefühlen, Bildern, inneren Anteilen und relevanten Erfahrungen ermöglichen.
Wenn therapeutisch sinnvoll, kann auch Regression Teil meiner Arbeit sein. Dabei geht es für mich nicht darum, einen Menschen möglichst dramatisch zurück in ein Ereignis zu bringen.
Mich interessiert vielmehr: Was wird heute aktiviert? Was hat der damalige Zustand gelernt? Was musste er tun, um zu schützen? Und welches Wissen, welche Möglichkeiten und welche Sicherheit stehen heute zur Verfügung?
Je nach Situation können Hypnose, Regression, Innere-Kind-Arbeit, Anteiltherapie und andere Elemente miteinander verbunden werden.
Mögliche Bausteine meiner Arbeit
Klaus Schütz
Heilpraktiker für Psychotherapie
Hypnotherapeut & Ausbilder
Frankfurt am Main
Ein Schutzmechanismus war nicht dumm. Er hatte einen Grund.
Ich möchte traumatische Reaktionen nicht behandeln, als würde dein System einfach etwas „falsch machen“.
Wenn eine Reaktion aus einer früheren Situation entstanden ist, kann sie damals eine nachvollziehbare Schutzfunktion gehabt haben.
Das Problem ist nicht, dass dein System irgendwann gelernt hat, dich zu schützen.
Das Problem entsteht, wenn der alte Schutz heute immer wieder anspringt, obwohl dein Leben inzwischen ein anderes ist.
Traumatherapie braucht mehr als die richtige Technik.
Nicht jeder Mensch mit traumatischen Erfahrungen benötigt denselben therapeutischen Rahmen. Und nicht jede Situation eignet sich automatisch für eine intensive hypnotische oder regressionsorientierte Arbeit.
Bei starker aktueller Destabilisierung, ausgeprägten dissoziativen Zuständen, akuter Suizidalität, psychotischen Symptomen oder anderen komplexen psychiatrischen Situationen kann eine fachärztliche, psychiatrische beziehungsweise spezialisierte psychotherapeutische Behandlung erforderlich sein.
Bestehende ärztliche oder psychiatrische Behandlungen sollten nicht eigenmächtig beendet oder verändert werden.
Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung oder einer anderen unmittelbaren Notfallsituation ist eine reguläre Terminbuchung in meiner Praxis nicht der richtige Versorgungsweg.