Nach außen bekommst du dein Leben hin. Innen reicht es trotzdem nie ganz.
Du funktionierst. Du kümmerst dich. Du leistest. Du passt dich an. Und irgendwo darunter läuft trotzdem dieser eine Satz: „Ich bin nicht gut genug.“
Vielleicht brauchst du viel Anerkennung. Vielleicht kannst du schlecht Nein sagen. Vielleicht vergleichst du dich. Vielleicht überlegst du nach jedem Gespräch, ob du etwas Falsches gesagt hast. Oder du erreichst etwas, worauf du eigentlich stolz sein könntest – und wenige Minuten später zählt dein Kopf bereits auf, was noch fehlt.
Selbstzweifel sind nicht automatisch Ausdruck einer psychischen Erkrankung. Wenn sie dich jedoch dauerhaft belasten, Beziehungen beeinflussen oder dein Leben stark bestimmen, kann psychotherapeutische Arbeit sinnvoll sein.
Du kannst viel erreicht haben. Und dich trotzdem innerlich klein fühlen.
Genau das macht ein belastetes Selbstwertgefühl manchmal so irritierend.
Es interessiert sich nicht besonders dafür, was auf deinem Lebenslauf steht.
Du kannst kompetent sein. Attraktiv. erfolgreich. beliebt. intelligent. zuverlässig.
Und trotzdem kann ein bestimmter Blick, eine Kritik oder das Gefühl, jemanden enttäuscht zu haben, innerhalb von Sekunden etwas völlig anderes in dir auslösen.
Dann geht es plötzlich nicht mehr um: „Ich habe etwas falsch gemacht.“ Sondern um: „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Genau deshalb kann jemand rational sehr genau wissen: „Ich bin okay.“ Und sich in einem getriggerten Zustand trotzdem wieder völlig ungenügend fühlen.
Ein schwacher Selbstwert muss nicht laut sein. Er kann sehr angepasst aussehen.
Viele Menschen mit starken Selbstzweifeln wirken nach außen überhaupt nicht unsicher. Im Gegenteil: Sie funktionieren oft besonders gut.
Perfektionismus
Fehler sollen möglichst verhindert werden, weil ein Fehler innerlich viel größer werden kann als nur ein Fehler.
People Pleasing
Die Bedürfnisse anderer bekommen schnell mehr Gewicht als die eigenen.
Schwierigkeiten mit Grenzen
Nein sagen kann Schuld, Angst vor Ablehnung oder starke Unsicherheit auslösen.
Anerkennung suchen
Das Gefühl, okay zu sein, hängt stark davon ab, wie andere reagieren.
Harte Selbstkritik
Der innere Ton ist häufig deutlich härter als alles, was du einem anderen Menschen sagen würdest.
Sich selbst zurückhalten
Wünsche, Entscheidungen oder Möglichkeiten werden nicht verfolgt, weil innerlich bereits ein Nein entstanden ist.
Kein Kind kommt mit dem Gedanken auf die Welt: „Ich bin nicht gut genug.“
Solche Vorstellungen entstehen im Laufe des Lebens.
Durch Beziehungen. Reaktionen. Kritik. Vergleiche. Anerkennung. Zurückweisung. Leistung. Erwartungen. Zugehörigkeit.
Dabei muss niemand ausdrücklich gesagt haben: „Du bist nichts wert.“
Ein Kind kann aus vielen Situationen seine ganz eigene Bedeutung entwickeln.
Und genau diese Bedeutung kann später zu einer inneren Regel werden.
Du bist heute nicht mehr der Mensch von damals. Ein alter Selbstwertzustand weiß das aber nicht automatisch.
Erfahrungen prägen nicht nur Gedanken. Sie können auch Erwartungen, Emotionen, Körperreaktionen, innere Regeln und Beziehungsmuster formen.
Du versuchst, mit den Möglichkeiten dieses Alters zurechtzukommen.
Vielleicht war Anerkennung an Leistung gekoppelt.
Vielleicht wurde Kritik schnell laut. Vielleicht war Harmonie wichtig. Vielleicht gab es wenig Raum für eigene Bedürfnisse.
Vielleicht lernst du: „Ich muss funktionieren.“ „Ich darf nicht enttäuschen.“ „Ich muss mich anpassen.“ „Ich bin nur okay, wenn andere zufrieden sind.“
Für das damalige System kann das sehr viel Sinn ergeben.
Heute besitzt du möglicherweise längst völlig andere Möglichkeiten.
Du kannst Nein sagen. Du kannst gehen. Du kannst entscheiden. Du musst nicht von jedem Menschen gemocht werden.
Dein erwachsener Verstand weiß das vielleicht längst.
Wird jedoch ein alter Selbstwertzustand getriggert, reagiert er möglicherweise weiterhin mit: „Bloß niemanden enttäuschen.“ „Mach keinen Fehler.“ „Pass dich lieber an.“
Vielleicht war „es allen recht machen“ irgendwann eine ziemlich clevere Strategie.
Wenn Zugehörigkeit, Harmonie oder Anerkennung wichtig waren, kann Anpassung ein sehr wirksamer Weg gewesen sein.
Das Problem ist nicht, dass du irgendwann gelernt hast, aufmerksam auf andere zu reagieren.
Das Problem entsteht, wenn dein eigener Wert dauerhaft davon abhängt, ob andere zufrieden mit dir sind.
Dann kann ein schlichtes Nein plötzlich Schuld auslösen. Eine Grenze fühlt sich egoistisch an. Kritik fühlt sich wie Ablehnung an. Und ein Konflikt wie die Gefahr, Beziehung zu verlieren.
Heute hilfreich – oder heute zu eng?
Ich möchte dir nicht einreden, dass du großartig bist.
Das klingt vielleicht erst einmal seltsam auf einer Seite über Selbstwert.
Aber positives Denken allein erreicht einen alten emotionalen Zustand häufig nicht.
Wenn etwas in dir seit Jahren gelernt hat: „Ich bin nicht wichtig.“ „Ich darf keinen Fehler machen.“ „Ich muss leisten.“ „Ich darf andere nicht enttäuschen.“ dann reicht ein Satz vor dem Spiegel nicht automatisch aus, um dieses Lernen zu verändern.
Hypnose kann einen fokussierten Zugang zu innerem Erleben, Gefühlen, Körperreaktionen, Bildern, inneren Anteilen und früheren Erfahrungen ermöglichen.
Mich interessiert: Wann wurde aus einer Erfahrung eine Aussage über dich? Welche innere Regel ist daraus entstanden? Wovor schützt sie? Und was weiß dein heutiger Mensch, was dieser Zustand damals noch nicht wissen konnte?
Mögliche Bausteine meiner Arbeit
Klaus Schütz
Heilpraktiker für Psychotherapie
Hypnotherapeut & Ausbilder
Frankfurt am Main
Du musst nicht zum selbstbewusstesten Menschen im Raum werden.
Selbstwert bedeutet für mich nicht, immer souverän zu sein.
Nicht, niemals zu zweifeln. Nicht, jede Kritik abzuschütteln. Und auch nicht, überall möglichst dominant aufzutreten.
Ein stabilerer Selbstwert kann viel unspektakulärer aussehen: Du darfst einen Fehler machen, ohne dich selbst zum Fehler zu erklären.
Du darfst Nein sagen, ohne automatisch ein schlechter Mensch zu sein.
Du darfst jemanden enttäuschen, ohne dich selbst zu verlieren.
Selbstzweifel sind menschlich. Entscheidend ist, wie stark sie dein Leben bestimmen.
Jeder Mensch zweifelt zeitweise an sich. Nicht jede Unsicherheit benötigt Psychotherapie.
Eine therapeutische Arbeit kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn Selbstabwertung, starke Anpassung, Perfektionismus, Angst vor Ablehnung oder Schwierigkeiten mit Grenzen dauerhaft Leidensdruck verursachen oder wichtige Lebensbereiche einschränken.
Ausgeprägte Selbstwertprobleme können auch im Zusammenhang mit Depressionen, Angststörungen, traumatischen Belastungen oder anderen psychischen Erkrankungen auftreten.
Bei schweren depressiven Zuständen, akuter Suizidalität, psychotischen Symptomen oder anderen akuten psychiatrischen Krisen kann eine ärztliche, psychiatrische beziehungsweise entsprechend spezialisierte Behandlung erforderlich sein.
Bei unmittelbarer Selbst- oder Fremdgefährdung ist eine reguläre Terminbuchung in meiner Praxis nicht der richtige Versorgungsweg.